Maibaum in Perlach

Mitten in Perlach, neben der St. Michaelskirche, steht das liebste Kind des Perlacher Burschenvereins: Der Maibaum. Ein stattlicher Baum, liebevoll auch als "Traditionsstangerl" bezeichnet; zu Recht, wie Georg Mooseder im "Perlach Buch" festgestellt hat:
"Im ausgehenden 14. Jahrhundert begannnen Einzelne oder Gruppen die Frühjahrsboten aus den Wäldern vor der Stadt zu holen. Dabei wurde auch damals schon das Maibaumstehlen praktiziert, noch dazu in zwei Varianten: Entweder wurde das Grün in fremdem Holz geschlagen, oder der schon bereitete Baum einer anderen Gruppe gestohlen. Dass da die alten Perlacher nicht zurückstehen konnten, versteht sich von selbst: "Hans Ostermair von Perlach hat nächtlicher weil den Pfarrer zwai ross auf der waid aufgezaumbt, eingespannd und mayen damit eingefuert, deshalben gewandelt umb 3 ß dn "(1533)."

Von diesen mayen zum Maibaum wie wir ihn heute kennen, ein geschälter Stamm mit Querbalken auf denen Figurentruppen, Wappen oder Handwerkszeichen befestigt sind, war der Weg dann nicht mehr weit. Zwar wollten Kurfürst Karl Theodor und König Max I. Joseph den Maibaum unterdrücken, aber Köndig Ludwig I. widerrief diese Verbote. Und tatsächlich berichtet der Schreilbauer Paul Hauser 1833 wieder von einem Maibaum in Perlach. Auf dem Renovationsplan von 1858 ist sogar der damalige Maibaumstandort auf dem heutigen Pfanzeltplatz eingezeichnet.
Am 3. Mai 1924 ist dann das erste Baumaufstellen des Burschenvereins „Die G´mütlichen“ schriftlich festgehalten. Gemäß dem alten Brauch sollte der Maibaum im Fünf-Jahres-Zyklus ersetzt werden. Als man aber 1934 daranging, den Maibaum wie üblich herzurichten, forderten die örtlichen Nazi-Größen, daß der Baum braun gestrichen und mit Hakenkreuzfahne aufgestellt werden sollte. Machtlos und aus Verärgerung gegen die Anordnung wurde der Baum im Auftrag des Stifters, des Schreilbauern, von den Burschen zersägt. Dieses blieb jedoch für den Burschenverein nicht folgenlos. Es wurde mit der Beschlagnahme der Kasse und des Klaviers, das für die Theateraufführungen benötigt wurde, geahndet. Später wurde dann doch noch eine braun gestrichene Fahnenstange mit dem Hakenkreuz an der Spitze auf dem heutigen Maibaumstandort aufgestellt.
Der erste Nachkriegsmaibaum wurde 1977 abermals vom Schreilbauern, jetzt von Paul Ballauf, gestiftet und in Zusammenarbeit mit den Mitgliedern der drei Perlacher Schützenvereinen aufgestellt. Dieses erforderte erhebliche Vorarbeit, da extra ein Fundament gefertigt werden mußte. Doch der Erfolg belohnte die vielen Mühen - Perlach hatte wieder einen Maibaum!
Mit der Wiedergründung des Burschenvereins 1977 übernahm dann dieser die Verantwortung für den Maibaum: die Bepflanzung, das sonn- und feiertägliche Aufziehen der Fahne und schließlich das Aufstellen und Umschneiden des Baumes. Langsam entwickelte sich auch die Tradition des „1. Mai-Frühschoppens“, eine mittlerweile nicht mehr wegzudenkende Institution im Perlacher Jahresablauf, die naturgemäß alle fünf Jahre, beim Aufstellen des neuen Maibaumes einen Höhepunkt erlebt.
Auch 1982 wurde ein neuer Baum aufgestellt, dieses Mal von der Pfarrei St. Michael Perlach gestiftet.
Das eigentliche Aufstellen kann jedoch nicht ohne Mithilfe der Freilwilligen Feuerwehr Perlach sowie der Berufsfeuerwehr München vonstatten gehen, da das Aufstellen per Hand, auf dem Land noch weit verbreitet, in der Stadt nicht gestattet ist. Wie auch schon sein Vorgänger und auch die Nachfolger, so wurde auch der 82er Baum im Herbst des 5. Jahres umgelegt und zerlegt. Die Einzelteile werden in Gebrauchsgegenstände wie Sitzbänke, Gartenmöbel, Wandtafeln und einen „Mini-Maibaum“ veredelt, und im Rahmen der Theateraufführung versteigert. Sie dienen damit der Finanzierung des nachfolgenden Maibaums , da an so einem Prachtstück ganz erhebliche Kosten hängen.
1987 wurde der 3. Perlacher Maibaum aufgestellt, gestiftet von Paul Kyrein. Auch dieser Baum wurde sechs Wochen vor dem Aufstellen unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen an einen geheimen Ort gebracht und rund um die Uhr bewacht, um die Schmach eines gestohlenen Maibaums - wie es den Schützen 1977 passiert war - zu vermeiden. Und dieser Eifer hat sich auch bezahlt gemacht, den Burschen wurde bis heute noch kein Baum gestohlen...
1992 widerfuhr einer ca. 100-jährigen Fichte aus dem Forst des Hr. Lorenz Huber („Wasserer“) das schönste, was einem bayerischen Baum passieren kann - sie wurde ein Maibaum. Auch dieser Baum wurde schon im Dezember geschnitten, im Wald gelagert und bis Mitte März zur Bearbeitung ins Geheimdepot gebracht und dort sechs Wochen lang in mühevoller Kleinarbeit gehobelt, geschliffen, grundiert und lackiert. Dieser Baum hatte sogar die Ehre neue Embleme tragen zu dürfen. Die Schilder - gestaltet von Hr. Weig - sind erheblich größer als die alten und stellen neben dem Burschenverein auch die anderen Perlacher Vereine, Handwerks-zünfte, Perlacher Kirchen und Wirtschaften dar.

Ja, und 2012 wird gemäß dem Fünf-Jahres-Zyklus wieder ein neuer Maibaum in Perlach aufgestellt. Wir laden Sie jetzt schon ein, am 1. Mai 2012 das Maibaum-Aufstellen mitzufeiern.

(Quelle: z.T. zitiert aus dem „Perlach-Buch“, mit freundlicher Genehmigung von Hr. Georg Mooseder)

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